Sprechen Hannoveraner das reinste Deutsch?

Ist es Ihnen schon passiert, dass Sie eine Sprache so bemüht gelernt haben, tagelang über Tabellen mit regelmäßigen Verben gesessen, im Unterricht brav mitgeschrieben und Ihre Hausaufgaben fleißig vor jeder Stunde gemacht haben – um nach einer Reise ins Zielland festzustellen, dass Ihnen lauter Pauken nichts genützt hat und dass Sie kaum imstande sind zu verstehen, was der Kellner im Restaurant zu Ihnen sagt? Sie sind nicht der/die einzige mit dieser Erfahrung. Doch wenn Sie Deutsch lernen, gibt es vielleicht ein kleines Licht am Ende des Tunnels – Hannover, denn in Hannover spricht man angeblich das reinste Deutsch. Doch was heißt „das reinste Deutsch sprechen“ und worauf beruht dieses Vorurteil?

Was ist Hochdeutsch?

Jedem Deutschlerner ist der Begriff „Hochdeutsch“ bekannt. Der Begriff bezeichnet die Standardsprache, also die Sprache, die man in den Sprachschulen weltweit lernt und die jeder Deutsche kann, nicht aber immer bereit ist zu sprechen. Sollte man es genauer definieren, könnte man sagen, dass es eine Kunstsprache ist, die allerdings aus keinem der deutschen Dialekte hervorgegangen ist. Das heutige Hochdeutsch stammt schon aus dem Mittelalter, also aus einer Zeit, als in Norddeutschland Plattdeutsch gesprochen wurde. Es rührt von dem Versuch der Norddeutschen aus Hannover, Niederschriften der reformatorischen Texte von Martin Luther nachzusprechen. Dabei floss die niederdeutsche Lautung in diese Aussprache mit ein – auf dieser künstlichen (Aus)Sprache beruht auch die Hypothese, die Hannoveraner würden „das reinste Deutsch“ sprechen.

„Wir können alles außer Hochdeutsch“

Jedes Bundesland hat ihr eigenes Dialekt, das meistens nicht nur für Deutschlerner, sondern auch für Deutsche aus anderen Regionen schwer verständlich ist. So würde ein Norddeutscher aus Berlin einen Bayer fast genauso gut verstehen wie einer, der sich auf Deutsch nur vorstellen kann. Allerdings gibt es in Deutschland zwei Hauptvariationen der deutschen Sprache –Hochdeutsch und Niederdeutsch. Diese Unterscheidung ist geographisch gemeint, aufgrund wessen das erstere in Nord- und das letztere in Süddeutschland gesprochen wird. Wenn ein Baden-Württemberger daher behauptet, er spreche alles außer Hochdeutsch – meinend, er spricht allein das schwäbische Dialekt – so liegt er im Grunde im Falschen.

Was sprechen die Hannoveraner denn eigentlich?

Laut dem Sprachwissenschaftler Ulrich Knoop sei das „reine Deutsch“ in Hannover lediglich ein „falsch ausgesprochenes Sächsisch“. Doch auch in Hannover spricht man nicht so dialektfrei, wie man meinen möchte. Für Hannoveraner liegt ihre Stadt nicht „an der Leine“, sondern „anner Laane“ und sie seien nie „in Eile“, sondern „in Aale“. Wappnen Sie sich daher auch in Hannover mit einem Dialektwörterbuch!